Im Jänner 2004 ist der Safaripark Gänserndorf in Konkurs gegangen und alle Tiere wurden Eigentum des Masseverwalters Dr. F. Bruckner. Nachdem sich bis heute kein neuer Betreiber gefunden hat, sind fast alle Tiere verkauft worden.
Auf dem Gelände leben derzeit noch rund 40 Paviane und Rhesusaffen sowie 44 Schimpansen. Fast alle Affen waren bis 1997 Versuchstiere der Firma Immuno, so dass bei deren Fusion mit dem US amerikanischen Konzern Baxter, Baxter 1999 Eigentümer der Affen wurde. Unter den Schimpansen sind 14, die mit Hepatitis oder HIV Viren infiziert sind. Sie sind aber gesund in dem Sinne, dass sie keine Krankheitssymptome zeigen. Im Safaripark sollten die Affen für ihre bisherigen unfreiwilligen Dienste für uns Menschen entschädigt werden: mit einem Leben in artgerechten Gehegen, in sozialen Gruppen und ohne Angst vor weiteren Schmerzen und Zwangsmaßnahmen.
Dafür hat Baxter auf dem Gelände des Safaripark Gänserndorf zwei neue Affenhäuser im Wert von 5,9 Millionen Euro finanziert - eines für die infizierten und eines für die andern Affen. Durch den Konkurs ist nun die Gemeinde Gänserndorf in den Besitz der Affenhäuser gekommen. Einen Antrag des Masseverwalters die Häuser für Affen unentgeltlich nutzen zu dürfen (Bittleihe) hat die Gemeinde zurückgewiesen.
Um die Affen zu schützen haben wir den Verein "hopE: Menschen für Affen" gegründet.
Ziel des Vereins ist es, den Affen ein Leben in artgerechter Haltung und eine Fortführung des seit 2 Jahren laufenden erfolgreichen Resozialisierungsprojektes zu sichern.
In Zusammenarbeit mit Organisationen wie den Jane-Goodall-Instituten, Stichting Aap sowie der Europäischen Zoo-Organisation (EAZA) und anderen versucht der Verein, alle Beteiligten (Bund, Land, Gemeinde, Firma Baxter und den Masseverwalter) zu konstruktiven Gesprächen zu gewinnen um das Ziel einer Erhaltung und Verbesserung der Lebenssituation der Tiere zu erreichen.
Der Verein hat Anfang Oktober die beweglichen Güter in den Affenhäusern vom Masseverwalter kaufen müssen, damit die täglichen Arbeitsabläufe weiterhin gewährleistet sind.
Affen in Menschenhand
Heute wissen wir soviel über die seelischen und soziale Ähnlichkeiten zwischen Menschen und Schimpansen, dass es in der ganzen Welt als unsittlich und nicht vertretbar gilt Menschenaffen zu töten. Dies wurde 1997 in einem epochaler Gutachten über die Behandlung von Labor-Schimpansen festgehalten und wird in keinem zivilisierten Land in Frage gestellt. Im Gegenteil: Auch die Niederlande und die USA haben die Pensionierung ihrer Pharma-Schimpansen beschlossen und bereits vertraglich und finanziell abgesichert.
Österreich ist das erste Land, in dem die Affen die Labors bereits verlassen haben und auf dem Weg in eine artgerechtes Leben in Würde --- waren! Nur in Österreich waren die Pharma-Schimpansen in Privatbesitz, in den anderen Ländern gehörten sie der Regierung. Baxter hat für die Affen im Safaripark brandneue Häuser bauen lassen. Mit dem Umzug wurden die Affen Eigentum des Safariparks und daher "gehören" sie jetzt dem Masseverwalter. Kann irgendjemand wünschen, dass Baxter die Affen wieder zurücknimmt? Baxter zahlt nach wie vor eine Pension für die Affen. Diese deckt allerdings die tatsächlichen Kosten nicht ab. In ganz Österreich hat sich noch keine Organisation gefunden, die Eigentümer der Affen werden möchte. Weder der Bund noch das Land Niederösterreich erklärt sich für zuständig.
Daher droht den Affen nun Gefahr durch eine Konkursordnung, die im Gegensatz zum neuen Tierschutzgesetz Tiere noch als Sache betrachtet und in Notfällen die Tötung von Tieren erlaubt. Durch ihre Vergangenheit als Labortiere sind die Affen körperlich und seelisch belastet. Das macht sie für kommerzielle Zoobetreiber weniger attraktiv.
Wir meinen aber, dass wir Menschen den Affen gegenüber verpflichtet sind. Wie ja allgemein bekannt ist, sind die nächsten Verwandten des Menschen die Schimpansen. Umgekehrt sind auch die nächsten Verwandten der Schimpansen wir, und kein anderes Tier. Diese Tatsache hatte für unsere Schimpansen fatale Konsequenzen: Sie waren noch Säuglinge, als sie in der afrikanischen Wildnis gefangen, von ihren Müttern getrennt und in das österreichisch Labor verbracht wurden. Dort wurden sie in der Forschung über Gelbsucht, über HIV und über die Sicherheit von Blutkonserven eingesetzt und haben so vielen Menschen das Leben gerettet oder doch zumindest erleichtert.
"Die Schimpansen zeigen uns, was es bedeutet Mensch zu sein" sagt Jane Goodall. Wir meinen, dass unser Verhalten gegenüber "ausrangierten" Laborschimpansen zeigen wird, wie weit es mit unserer Menschlichkeit wirklich her ist.